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Mit Holz arbeiten – 18 Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Delbrück arbeiten in der MINT-AG mit Holz

18 Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Delbrück arbeiten in der MINT-AG mit Holz

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Kreis Paderborn (krpb). Jan legt eine Holzlatte auf die elektrische Säge, richtet das Sägeblatt genau an der Kante aus und sägt entlang der gezeichneten Bleichstiftlinie einen Winkel von 45 Grad. „Ich habe das Holz auf Gehrung geschnitten“, erklärt der 13-Jährige. Gehrung bedeutet, dass zwei Hölzer in einem bestimmten Winkel miteinander verbunden werden. Die geschnittenen Hölzer leimt der Schüler in einem 90 Grad Winkel zusammen. Ein Rahmen ist entstanden. Sinn und Zweck der Gehrung ist es, die Stabilität zu erhöhen. „Durch die 45 Grad Winkel bekommen wir eine größere Kontaktfläche der Hölzer“, erklärt Hubert Sprick.

Sprick ist Werklehrer im Ruhestand und für die MINT-AG noch einmal an die Gesamtschule Delbrück zurückgekehrt. MINT ist die Abkürzung für die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Seit dem Schuljahr 2013/2014 gibt es an verschiedenen Schulen im Kreis Paderborn diese AGs (siehe Hintergrund). Das Ziel: Schülerinnen und Schülern Ausbildungsberufe dieser Bereiche nahe zu bringen.

„Gerade Mädchen sind sehr skeptisch, wenn es um MINT-Berufe geht – oftmals unbegründet“, weiß Petra Münstermann vom Bildungs- und Integrationszentrum (BIZ) des Kreises Paderborn, das die AGs ins Leben gerufen hat. Mit den MINT-AGs haben alle Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, verschiedene Berufe kennenzulernen und selbst auszuprobieren. „Dabei entdecken sie dann meist ihre Stärken und Interessen und können sich nach der Schule bewusst für einen Beruf entscheiden.“ Die Form der AG eigene sich dabei gut, um die Berufsorientierung direkt in den Schullalltag zu integriert.

An der Gesamtschule Delbrück wird die MINT-AG in der achten Jahrgangsstufe neben AGs wie Spanisch und Sport angeboten. „Das Interesse war so groß, dass wir gleich zwei AGs einrichten mussten“, sagt Schulleiterin Theresia Diekmann-Brusche.

Ein Schuljahr lang läuft die MINT-AG. Jeden Dienstag kommen die 18 Schülerinnen und Schüler zu Lehrer Sprick in den Werkraum. In den ersten Wochen lernten sie die Grundlagen. Dazu gehört der sichere Umgang mit der Bohrmaschine, der Tellerschleifmaschine, der Dekupiersäge und der Gehrungssäge.

Dann ging es an die ersten praktischen Arbeiten: Kleine Spiele. Ein Beispiel ist das T-Puzzel. Verschiedene Formen werden ausgesägt und ergeben zusammengesetzt den Buchstaben T. „Bei diesen ersten Arbeiten geht es darum, die Werkzeuge und die Arbeitsschritte kennenzulernen“, sagt Sprick.

Im zweiten Halbjahr wird es ernst für die Schülerinnen und Schüler: Sie dürfen selbst die Trennwände für ihre Mensa bauen. Diese ist groß und noch etwas laut. Raumteiler aus Holz sollen die Geräusche dämpfen.

Inspiration sammelten sie bei einem Spaziergang durch die Stadt. „In einer Pizzeria haben wir einen Raumteiler gesehen, bei dem auf Holzplatten Anfeuerholz aus dem Supermarkt geklebt ist“, erzählt ein Schüler. Daraus ist die Idee entstanden, Elemente mit verschiedenen Holzmustern zu gestalten.

Unterstützung bekommen sie dabei von den Mitarbeitern eines ortsansässigen Schreinerbetriebs. Dort können die Schülerinnen und Schüler den Beruf dann noch genauer kennenlernen und Auszubildenden Fragen stellen. „Durch die aktive Einbindung der heimischen Unternehmen und der Hochschulen in OWL erfahren die Schülerinnen und Schüler, was sie in einem MINT-Beruf tatsächlich erwartet“, betont Uwe Schoop von zdi-Zentrum FIT.Paderborn, das das Projekt fördert. „Gerade diese Erfahrungen erhöhen nachweislich die Wahrscheinlichkeit, den richtigen Karriereweg anzustreben und auch in schwierigen Ausbildung- oder Studiensituationen durchzuhalten“, ergänzt Schoop.

Schon nach zwei Monaten AG sind sich die Schülerinnen und Schüler einig: Sie wollen nach der Schule einen handwerklichen Beruf lernen. „Den ganzen Tag im Büro vor dem PC sitzen ist nichts für mich“, sagt Louisa. In der 5. und 6. Klasse hat ihr der Technikunterricht bereits gut gefallen. Amela und Adela ist während der MINT-AG klar geworden, dass die Arbeit mit Holz gar nicht so schwer ist, wenn sie die Grundlagen sitzen. Eine andere Schülerin hat ihr Interesse für das Handwerk bereits vor der AG entdeckt, als sie zusammen mit ihrem Vater eine Holzbank für den Garten gebaut hat.

Die MINT-AGs ergänzen das Angebot an AGs in der Jahrgangsstufe acht an weiterführenden Schulen und stärken die MINT-Berufe – auch vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels. Die MINT-AGs finden in den Räumen der jeweiligen Schulen statt und werden in den Stundenplan der jeweiligen Schülerinnen und Schüler integriert. Aktuell gibt es die AGs an Friedrich-Spee Gesamtschule in Paderborn, der Gesamtschule Salzkotten, der Gesamtschule Büren und der Gesamtschule Delbrück.

Finanziert werden sie vom Kreis Paderborn, dem zdi-Zentrum FIT.Paderborn im Rahmen der zdi-BSO-MINT-Förderung und der Osthushenrich-Stiftung. „zdi“ steht für die Landesinitiative „Zukunft durch Innovation“. BSO steht für die vertiefte Berufs- und Studienorientierung. Kosten fallen dabei für den Lehrer und die Materialien an. Eine Schule allein könnte dieses Geld nicht aufbringen.

Seit dem Start des Projektes im Schuljahr 2013/2014 wurden 40 MINT-AGs eingerichtet – vier davon laufen im aktuellen Schuljahr. Pro Schulhalbjahr werden durchschnittlich zwischen 60 und 80 Schülerinnen und Schüler erreicht.

Eine Befragung im Schuljahr 2016/2017 zeigte, dass bei rund 68 Prozent der Schülerinnen und Schüler das Interesse an Naturwissenschaften und Technik gesteigert wurde. Rund 66 Prozent können sich vorstellen, eine Ausbildung in diesen Bereichen zu machen. Die Befragung wurde vom Bildungs- und Integrationszentrum durchgeführt. Befragt wurden 44 Schülerinnen und Schüler aus der Friedrich-Spee-Gesamtschule in Paderborn, der Mühlenkamp Schule Büren, Hauptschule in Bad Wünnenberg und der Georg Hauptschule in Paderborn.

Interessierte Schulen können sich bei Petra Münstermann vom Bildungs- und Integrationszentrum melden unter Tel.: 05251 308-4603 oder per E-Mail unter muenstermannp@kreis-paderborn.de. Münstermann geht aber auch aktiv auf Schulen zu und bietet ihnen das Projekt an.

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